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ist genommen. Am Donnerstag schafften wir es buchstäblich in den letzten Sekunden, unsere Dokumentation abzugeben. Der Weg dorthin während der letzten Tage war lang und beschwerlich, vor allem aufgrund der vielen Steine, die noch beseitigt werden mussten. Da wäre zum einen der organisatorische Aufwand. Natürlich schafft man es nicht (jedenfalls wir, es soll ja Leute geben, die immer alles rechtzeitig erledigen) vorher alles unter einen Hut zu bekommen, da müssen dann in letzter Minute noch Scheine und Unterschriften beschafft, geeignete Theoriethemen ausgewählt und Teile der Prüfungskommission neu besetzt werden.

Zu allem Überfluss verabschiedete sich die Grafikkarte des Kontrahenten am letzten Sonntag in die ewigen Jagdgründe. Es folgten Datensicherung, Informationsbeschaffung über das Problem und wie es zu lösen sei und schließlich die Abgabe des Rechners zur Reparatur. Gottseidank fielen dafür aus Gründen der Kulanz keine zusätzlichen Kosten an. Lediglich ein Expressaufschlag in Höhe von 40 Euro musste entrichtet werden und pünktlich nach der Abgabe der Dokumenation war der Rechner wieder einsatzbereit. Abgesehen von den Ängsten und Befürchtungen kostete uns das einen ganzen wertvollen Tag. Die Gestaltung der abzugebenden Arbeit konnte dann relativ reibungslos in der Universität fortgesetzt werden. Bis auf ein paar Ausflüge um eine Dusche einzunehmen, kampierten wir zusammen mit zwei weiteren Geplagten rund um die Uhr im Universitätsgebäude. Glücklicherweise gibt es seit dem letzten Semester eine zwar unbequeme, aber in solchen Momenten dennoch höchstwillkommene Couchgarnitur in Reichweite. So sparte man sich die aufwändige Heimreise und fand immerhin 2 bis 3 Stunden Schlaf des Nachts. Immer schön im Wechsel, damit jeder einmal ausruhen konnte.

Unsere zunächst wunderbare Idee, das Machwerk in der Uni auszudrucken, um damit unschönen Farbstichen rechtzeitig entgegenwirken zu können, erwies sich schließlich als eine verhängnisvolle Entscheidung. Vor allem, weil wir dadurch die Fertigstellung immer weiter hinauszögerten. Geplant war zunächst, alles am Mittwoch abend fertig gedruckt und zum Binden in einen nahe gelegenen Copyshop zu bringen. An einen Buchbinder war im Traum nicht zu denken, das war uns bereits lange vorher klar. Das Vorhaben des Bindens verschob sich schließlich auf Donnerstag früh um 8 Uhr, dann auf um 9, selbst um 10 hätte vermutlich noch ausgereicht. Doch unser Plan wurde vom Drucker und unserer eigenen Unfähigkeit vereitelt. Bereits der Probedruck offenbarte einen gravierenden Gelbstich, der auch nach zigmaligen Versuchen, die Datei anders herzustellen, nicht auszulöschen war. Während der Kontrahent mit Farbprofilen rang, stellte ich zunächst einen kleinen Dummy her.

Ein weiterer Zeitfresser, den wir zwar bedacht, aber stets weiter hinausgeschoben hatten, war das sogenannte Ausschießen. Die fertige Dokumentation bestand aus knapp hundert Seiten, verteilt auf drei Hefte, die eigentlich mittels einer Rückstichheftung gebunden werden sollten. Man kennt das von Zeitschriften, da hat man dann mehrere Bögen, die in der Mitte geklammert sind. Die Schwierigkeit bestand nun darin, die einzelnen Seiten so auf A3 Bögen zu montieren, dass zusammengeklappt und geheftet jede Seite an ihrem richtigen Platz ist. Dazu diente der Dummy. Nachdem nun im Kleinen alles an der richtigen Stelle saß, musste das ganze nur noch am Rechner zusammengebaut und richtig ausgedruckt werden, sodass auch Vorder- und Rückseite aufeinander passten. Aufgrund der Übermüdung kam es natürlich reihenweise zu Fehlern. Nachfolgend sieht man sämtliches Material, dass zu nichts zu gebrauchen war:

Fehldrucke

Mit dem Gelbstich mussten wir uns schließlich abfinden. Halb zehn überredete ich den Kontrahenten dazu, zum Einsteinufer zu fahren, wo sich das Verwaltungsgebäude befindet, denn dort mussten bis spätestens 12.30 Uhr alle noch fehlenden Scheine abgegeben werden. Da er sich knapp am Rande des Wahnsinns befand und mit ihm keine Seite fehlerlos zu drucken war, erschien mir das als der einzig richtige Weg. Ich mobilisierte noch einmal alle Geistesreserven, hoffte, dass niemand den Raum betreten und mich stören würde und konzentrierte mich aufs Drucken. Stück für Stück arbeitete ich mich voran, bis schließlich der Kontrahent wieder da war.

Zwar hatte er alle notwendigen Unterlagen abgegeben, aber an eine Fertigstellung glaubte er offenbar nicht mehr. Als er sah, dass der Druck fast fertig war, fasste er neuen Mut und begann zu falten. Vier mal drei Hefte wurden nun in Windeseile gefalzt, ineinander gesteckt, beschnitten und mittels eines roten Bindfadens zumindest pro Forma zusammengebunden. Je drei Hefte bildeten ein Exemplar und wurden mit einer Banderole verschnürt. Die fertigen Exemplare sahen für das, was sie durchmachen mussten, unverschämt gut aus. Zeit für ein Beweisfoto blieb leider nicht, in letzter Sekunde konnten wir die, sagen wir halbfertigen, Stücke im Sekretariat abgeben.

Mit einem Schnapps stießen wir und die anderen beiden Diplomandinnen schließlich auf die Abgabe der Dokumentation an. Eine zentnerschwere Last fiel von uns ab und schlagartig war ich betrunken und hundemüde. Nach über dreißig Stunden ohne Schlaf, und nur einigen wenigen Stunden in den letzten Tagen insgesamt, schaffte ich es gerade so nach Hause, wo ich bis auf eine kurze Unterbrechung für 16 Stunden ins Koma sank. Dem Kontrahenten erging es ähnlich.

Nach einem Tag Verschnaufspause mit Dingen wie Wäsche waschen und einkaufen gehen ging es gestern erneut ans Werk. So ein Dilemma kann und darf nicht noch einmal passieren. Die Präsentation in einem Zustand wie am letzten Donnerstag abhalten zu müssen wäre ein Alptraum. Da die Dokumentation wichtiger Bestandteil des ganzen Projektes ist, machten wir uns zunächst an die Arbeit, das halbfertige Ding vom Donnerstag noch einmal zu überarbeiten. Die bereits entdeckten und beseitigten Fehler verursachen mir bereits Magenschmerzen und ich hoffe, dass wir das je wieder wettmachen können. Sobald sie zeigungsfähig ist, werden wir sie an dieser Stelle natürlich komplett veröffentlichen.

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